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Arbeitsschutzhelme und Anstoßkappen – Normen, Anforderungen und Lebensdauer
Arbeitsschutzhelme und Anstoßkappen dürfen nicht miteinander verwechselt oder ersetzt werden – beide unterliegen unterschiedlichen europäischen Normen und bieten verschiedene Schutzfunktionen. Während Schutzhelme vor herabfallenden Gegenständen schützen, dienen Anstoßkappen vor allem dem Schutz vor leichten Stoßverletzungen des Kopfes.
In der Regel sind Zubehörteile wie Gehörschutz oder Gesichtsschutz nur mit Helmen derselben Marke kompatibel. Zum Beispiel passen die meisten aufsteckbaren Gehörschützer ausschließlich zu den Arbeitsschutzhelmen desselben Herstellers.
Kennzeichnung und Lebensdauer
Das Herstellungsdatum (Jahr und Quartal) muss im Helmschild oder an der Innenseite der Helmschale angegeben sein – ebenso in der beiliegenden Gebrauchsanweisung.
Die Lebensdauer eines Schutzhelms hängt vom Hersteller und Material ab und liegt in der Regel zwischen 3 und 7 Jahren – bei Portwest-Helmen beträgt sie bis zu 7 Jahre.
Die tatsächliche Haltbarkeit wird durch Temperaturschwankungen, UV-Strahlung, mechanische Belastung, chemische Einflüsse und die Häufigkeit der Nutzung beeinflusst. Ein Helm, der einem starken Schlag ausgesetzt war, muss unabhängig von sichtbaren Schäden sofort ersetzt werden.
Wichtige Normen für Kopf- und Gesichtsschutz
| Norm | Bezeichnung |
|---|---|
| EN 397 | Industrieschutzhelme |
| EN 812 | Anstoßkappen für industrielle Zwecke |
| EN 443 | Feuerwehrhelme |
| EN 166 | Persönlicher Augen- und Gesichtsschutz |
| EN 1731 | Schutzvisiere mit Drahtgewebe |
| EN 14052 | Hochleistungs-Industriehelme |
| EN 12491 | Atemschutzgeräte mit Helm oder Haube |
| EN 12492 | Kletterhelme |
| EN 14458 | Visiere für Helme von Feuerwehr und Rettungsdiensten |
| EN 50365 | Elektrisch isolierende Helme (bis 1000 V) |
Die EN 397-Norm – Anforderungen für Industrieschutzhelme
Die EN 397 legt die grundlegenden Anforderungen für Industrieschutzhelme fest. Diese müssen den Kopf vor herabfallenden Gegenständen und mechanischen Stößen schützen.
Mindestanforderungen laut EN 397:
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Schutz vor Schlagverletzungen am Kopf
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Stoßdämpfung bis max. 5 kN
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Durchdringungs- und Perforationsschutz
Optionale Zusatzanforderungen:
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−20 °C / −30 °C: Beständig bei niedrigen Temperaturen
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+150 °C: Hitzebeständig bis 150 °C
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440 V AC / 1000 V: Schutz bei versehentlichem Kontakt mit elektrischer Spannung
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LD: Seitliche Druckbelastung
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MM: Schutz vor Metallspritzern
Was bedeutet EN 397?
Die Norm EN 397 ist die wichtigste europäische Norm für Industrieschutzhelme. Sie definiert die Mindestanforderungen, Prüfmethoden und Kennzeichnungen, die ein Helm erfüllen muss, um zertifizierten Schutz gegen herabfallende Gegenstände und Stoßbelastungen zu bieten. Nur Helme mit gültiger EN 397-Kennzeichnung dürfen im industriellen Arbeitsschutz eingesetzt werden.
Anstoßkappen – effektiver Schutz vor Kopfverletzungen
Anstoßkappen bieten einen zuverlässigen Schutz des Kopfes vor Stoßverletzungen, die durch unbeabsichtigtes Anstoßen an harte, feste Gegenstände entstehen können. Sie sind besonders dort im Einsatz, wo keine Gefahr durch herabfallende Objekte besteht, aber Stöße an Maschinen, Regalen oder Fahrzeugteilen häufig vorkommen – zum Beispiel in der Logistik, Montage oder Wartung.
EN 812 – Stoßschutzkappen für den industriellen Gebrauch
Die EN 812 ist die maßgebliche europäische Norm für Anstoßkappen.
Sie legt die Mindestanforderungen an den Schutz gegen Kopfstöße fest.
Im Gegensatz zu Industrieschutzhelmen nach EN 397 werden Anstoßkappen nicht auf Widerstand gegen fallende Gegenstände, Durchdringung oder Regen getestet.
Das bedeutet:
Anstoßkappen nach EN 812 schützen ausschließlich vor Stoßverletzungen, die durch Zusammenstöße mit festen Objekten entstehen. Sie ersetzen keinen Arbeitsschutzhelm, sondern dienen als ergonomische, leichte Alternative, wenn kein Helmpflicht besteht.
Typische Merkmale von Anstoßkappen
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Integrierte stoßabsorbierende Einlage aus Kunststoff oder Schaumstoff
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Verstellbare Passform für optimalen Tragekomfort
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Belüftungssysteme für längeres Tragen in warmen Umgebungen
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Teilweise mit Reflexstreifen oder Belüftungslöchern erhältlich
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Ideal für Leichtindustrie, Lager, Logistik, Service und Wartung
Wichtiger Hinweis:
Anstoßkappen sind kein Ersatz für Industriehelme (EN 397).
Sie bieten keinen Schutz gegen herabfallende Objekte, elektrische Gefahren oder mechanische Durchdringung.
Sie sind jedoch ein praktischer Kompromiss zwischen Komfort und Schutz, wenn es um leichte Kopfsicherheit im Arbeitsalltag geht.
Gesichtsschutz – EN 166 und EN 1731 Normen für maximale Sicherheit
Der Gesichtsschutz ist ein zentraler Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und schützt das Gesicht vor mechanischen, chemischen oder thermischen Einwirkungen.
Je nach Einsatzbereich – ob in der Industrie, beim Schweißen, in der Metallbearbeitung oder beim Arbeiten mit Flüssigkeiten – gelten unterschiedliche europäische Normen, die die Sicherheitsanforderungen klar definieren.
EN 166 – Anforderungen an Gesichtsschutz und Augenschutz
Die Norm EN 166 legt die grundlegenden Anforderungen für persönliche Augen- und Gesichtsschutzgeräte fest. Sie definiert Prüfverfahren und Schutzstufen, die sicherstellen, dass das Visier oder die Schutzscheibe den Träger optimal schützt.
Hauptanforderungen laut EN 166:
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Mechanische Festigkeit: wie bei Schutzbrillen
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S: erhöhte Bruchfestigkeit
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F: Stoßfestigkeit bei niedriger Energie (45 m/s)
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B: Stoßfestigkeit bei mittlerer Energie (120 m/s)
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A: Stoßfestigkeit bei hoher Energie (190 m/s)
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Optische Klasse: wie bei Schutzbrillen
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1: für Dauergebrauch
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2: für zeitweiligen Gebrauch
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3: für gelegentlichen Gebrauch
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Zusätzliche Kennzeichnungen:
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3: Schutz vor Flüssigkeitsspritzern
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8: Schutz vor elektrischen Lichtbögen
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9: Schutz vor geschmolzenen Metalltropfen
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Diese Kennzeichnungen geben dem Anwender eine klare Orientierung, für welche Arbeitsumgebung der Gesichtsschutz geeignet ist.
EN 1731 – Anforderungen für Drahtgitter-Gesichtsschutz
Die Norm EN 1731 gilt für Gesichtsschutzvisiere mit Drahtgewebe. Diese werden vor allem dort eingesetzt, wo eine gute Belüftung und ein weiter Sichtbereich erforderlich sind, beispielsweise in der Forstwirtschaft, Gartenbau oder beim Schleifen.
Anforderungen laut EN 1731:
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Mechanische Festigkeit: identisch zu EN 166
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S, F, B, A – je nach Energieaufnahme und Stoßfestigkeit
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Drahtgitter-Visiere bieten zuverlässigen Schutz gegen Splitter und Partikel, sind jedoch nicht für chemische oder elektrische Gefahren geeignet.
Fazit:
Gesichtsschutz nach EN 166 und EN 1731 ist ein unverzichtbarer Teil der Arbeitssicherheit. Die Wahl des richtigen Visier-Typs hängt immer vom jeweiligen Arbeitsumfeld und den spezifischen Gefährdungen ab.