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EN 149 – Partikelfiltrierende Halbmasken: Anforderungen, Prüfmethoden und Schutzstufen
Die europäische Norm EN 149 legt präzise fest, welche Leistungsmerkmale FFP-Halbmasken erfüllen müssen, um Anwender zuverlässig vor gesundheitsschädlichen Partikeln zu schützen. Die Norm beschreibt mehrere Prüfverfahren, die sowohl die Filterleistung als auch die Dichtheit und den Tragekomfort bewerten.
1. Gesamtleckage – Messung der Dichtheit
Bei dieser Prüfung bewegt sich eine Testperson in einem Raum mit definierter Natriumchlorid-Aerosolkonzentration. Während aller Bewegungsabläufe werden kontinuierlich Luftproben aus dem Maskeninneren entnommen.
So wird ermittelt, welcher Anteil der Partikel trotz korrekt sitzender Maske in die Atemzone gelangt. Eine niedrige Gesamtleckage bedeutet eine hohe reale Schutzwirkung.
2. Filterpenetration – Effizienz des Filtermaterials
Für die Bewertung der Filterleistung wird eine Halbmaske auf einen Prüfkopf gesetzt und mit 120 mg Prüfstaub (Natriumchlorid und Paraffinöl) beaufschlagt. Danach wird gemessen, wie viele Partikel das Filtermedium tatsächlich passieren.
Zulässige Durchdringungswerte gemäß EN 149:
-
FFP1: bis zu 22 %
-
FFP2: bis zu 8 %
-
FFP3: bis zu 2 %
Je geringer die Penetration, desto höher die Schutzstufe. FFP2- und FFP3-Masken werden häufig in anspruchsvollen Arbeitsumgebungen mit hoher Partikelbelastung verwendet.
3. Atemwiderstand – Atmungsaktivität und Komfort
Ein weiterer Bestandteil der Norm bewertet den Druck, der beim Ein- und Ausatmen überwunden werden muss.
Ein niedriger Atemwiderstand sorgt für höheren Tragekomfort, reduziert die körperliche Belastung und ermöglicht lange Einsatzzeiten ohne spürbare Einschränkungen.
Fazit zur Schutzwirkung
-
Niedrige Durchdringung = starke Filterleistung
-
Geringe Gesamtleckage = zuverlässige Abdichtung
-
Optimierter Atemwiderstand = komfortables Tragen über Stunden
Atemschutzmasken nach EN 149 bieten somit einen geprüften, reproduzierbaren Schutzstandard, der in Industrie, Bauwesen, Gesundheitssektor und vielen weiteren Bereichen unverzichtbar ist.
Klassen und Penetrationsgrenzen nach EN 149
Filterpenetration – zulässige Werte
| Klasse | Natriumchlorid-Penetration (%) | Paraffinöl-Penetration (%) | Gesamt |
|---|---|---|---|
| FFP1 | höchstens 20 % | 20 % | 20 % |
| FFP2 | höchstens 6 % | 6 % | 6 % |
| FFP3 | höchstens 1 % | 1 % | 1 % |
Niedrigere Penetrationswerte bedeuten eine höhere Filterleistung, insbesondere bei FFP2- und FFP3-Masken.
Nach innen gerichtete Leckage – maximal zulässige Werte
| Klasse | Natriumchlorid-Leckage (%) | Paraffinöl-Leckage (%) | Gesamt |
|---|---|---|---|
| FFP1 | 0,6 % | 2,1 % | 3,0 % |
| FFP2 | 0,7 % | 2,4 % | 3,0 % |
| FFP3 | 1,0 % | 3,0 % | 3,0 % |
Die geringere Leckage ist entscheidend für den realen Schutz, insbesondere bei Arbeitsbereichen mit hoher Partikelbelastung.
Atemwiderstand – Unterschiede zwischen den Klassen
Der zulässige Atemwiderstand ist bei FFP1-Masken niedriger, da diese dünner gebaut sind und weniger Filtermaterial enthalten.
Bei FFP2 und FFP3 ist der Widerstand höher, was aus der stärkeren Filterdichte resultiert, die wiederum ein höheres Schutzniveau ermöglicht.
EN 511 – Schutzhandschuhe gegen Kälte
Die Norm EN 511:2006 definiert die Anforderungen und Prüfverfahren für Handschuhe, die vor konvektiver und Kontaktkälte bis –50 °C schützen müssen. Die Kälteeinwirkung kann sowohl aus klimatischen Bedingungen als auch aus industriellen Prozessen stammen.
Die Norm umfasst drei zentrale Leistungsprüfungen, die jeweils mit einer Kennziffer bewertet werden:
A. Schutz gegen konvektive Kälte
Zur Bestimmung der Wärmedämmung wird der Handschuh auf ein beheiztes Handmodell gesetzt.
Dieses Modell wird konstant zwischen 30 und 35 °C gehalten und befindet sich in einer Prüfkabine mit definierter Kältebelastung.
Gemessen wird die Energiemenge, die erforderlich ist, um diese Temperatur aufrechtzuerhalten.
Daraus wird die effektive Isolationsleistung (ITR-Wert) berechnet – je höher der Wert, desto besser schützt der Handschuh gegen konvektive Kälte.
Leistungsstufen der EN-511-Prüfungen
A. Schutz gegen konvektive Kälte – ITR-Werte
| Leistungsstufe | ITR-Wert |
|---|---|
| Stufe 1 | 0,10 ≤ ITR < 0,15 |
| Stufe 2 | 0,15 ≤ ITR < 0,22 |
| Stufe 3 | 0,22 ≤ ITR < 0,33 |
| Stufe 4 | ITR ≥ 0,33 |
Ein höherer ITR-Wert weist auf eine bessere Wärmeisolation gegenüber bewegter Kälte hin.
B. Schutz vor Kontaktkälte – Wärmewiderstand (R-Wert)
Bei dieser Prüfung wird ein Materialmuster des Handschuhs zwischen zwei Metallplatten getestet:
eine warme Platte und eine kalte Platte. Die gemessene Wärmeleitfähigkeit zeigt, wie stark der Handschuh den Temperaturabfall verzögert.
Leistungsstufen für den R-Wert
| Leistungsstufe | R-Wert |
|---|---|
| Stufe 1 | 0,025 ≤ R < 0,050 |
| Stufe 2 | 0,050 ≤ R < 0,100 |
| Stufe 3 | 0,100 ≤ R < 0,150 |
| Stufe 4 | R ≥ 0,150 |
Je größer der R-Wert, desto besser isoliert der Handschuh gegen direkten Kontakt mit kalten Oberflächen.
C. Schutz vor Wasserpenetration
Die Wasserbeständigkeit wird durch Eintauchen des Handschuhs in Wasser geprüft.
Das Ergebnis wird nach 30 Minuten bewertet:
-
1 = bestanden: Keine Wasseraufnahme innerhalb von 30 Minuten
-
0 = nicht bestanden: Wasser dringt vor Ablauf der 30 Minuten ein
Diese Bewertung ergänzt die beiden thermischen Prüfverfahren und zeigt an, ob der Handschuh auch unter feuchten Bedingungen zuverlässig schützt.
Zusammenfassung der EN 511:2006
Die Norm bewertet Schutzhandschuhe in drei zentralen Kategorien:
-
Konvektive Kälte – Schutz gegen Luftbewegung und niedrige Umgebungstemperaturen
-
Kontaktkälte – Isolation gegenüber kalten Oberflächen und Materialien
-
Wasserpenetration – Verhalten des Handschuhs bei direktem Wasserkontakt
Die Kombination dieser Werte ermöglicht eine klare Einordnung, welche Handschuhe für bestimmte Arbeitsumgebungen – etwa Kühlhäuser, Wintereinsätze oder nasse Außenbereiche – geeignet sind.
EN 14404 – Anforderungen an Knieschutzsysteme
Die europäische Norm EN 14404 legt fest, welche Schutzfunktionen Knieschützer erfüllen müssen, um Verletzungen bei knienden Tätigkeiten zu vermeiden.
Die Norm definiert mehrere Prüfungen, von denen nachfolgend zwei wesentliche vorgestellt werden.
1. Stoßdämpfungsprüfung (Impact Test)
Ziel: Bewertung der Fähigkeit, wiederholte Belastungen beim schnellen und häufigen Abknien zu absorbieren.
Prüfmethode:
Eine Prüfeinrichtung appliziert fünf Schläge mit einer Energie von 5 Joule, jeweils auf verschiedene Bereiche des Knieschutzes. Die gesamte Serie muss innerhalb von fünf Minuten durchgeführt werden.
Messgröße:
Die Restkraft, die der Knieschützer nicht abfangen kann, wird in Kilonewton (kN) gemessen.
Anforderungen für die Konformität:
-
Der Durchschnitt aller fünf Messungen darf 3 kN nicht überschreiten.
-
Kein einzelner Schlag darf 4 kN überschreiten.
Diese Testmethode stellt sicher, dass der Knieschutz ausreichend Energie absorbiert und die Kniegelenke nicht überlastet werden.
2. Prüfung des Durchstichwiderstands (Penetration Test)
Ziel:
Bewertung des Widerstands gegenüber spitzen, scharfen oder unebenen Gegenständen auf dem Boden – zum Beispiel kleinen Steinen, Metallspänen oder Werkzeugteilen.
Durchbiegungsprüfung – Anforderungen und Leistungsstufen (EN 14404)
Prüfmethode
Bei dieser Prüfung wird eine definierte Kraft auf den Knieschutz ausgeübt.
Gemessen wird, wie stark sich die innere Fläche des Knieschützers unter Last verformt.
Kriterien für die Konformität
Die maximale zulässige Durchbiegung beträgt 5 mm. Wird dieser Wert überschritten, gilt der Knieschutz als nicht geeignet.
Zugehörige Leistungsstufen
| Aufgebrachte Kraft | Verformung | Leistungsstufe |
|---|---|---|
| 100 N | > 5 mm | 0 |
| 100 N | ≤ 5 mm | 1 |
| 250 N | ≤ 5 mm | 2 |
Je höher die Leistungsstufe, desto besser widersteht der Knieschutz mechanischen Belastungen und punktuell einwirkenden Kräften.
Haltbarkeits- und Positionsprüfung (Restriktionsprüfung)
Ziel der Prüfung
Diese Bewertung untersucht, ob Knieschützer – insbesondere Typ 1 (mit Gurten befestigte Modelle) – während der Nutzung sicher an ihrem Platz bleiben.
Vorgehensweise
-
Die maximale Gurtbreite darf 30 mm nicht überschreiten.
-
Bei einer Zugkraft von 10 N darf sich der Gurt nicht mehr als 40 mm dehnen.
Anforderung
Der Knieschutz muss stabil sitzen, ohne unangemessenen Druck oder Komforteinbußen zu verursachen.
Ein Typ-1-Knieschützer gilt als bestanden, wenn sowohl die technischen Kriterien als auch das Trageempfinden der Testpersonen die Anforderungen erfüllen.
Zusammenfassung der EN 14404
Die Norm bewertet die Schutzwirkung von Knieschutzsystemen anhand von drei zentralen Elementen:
-
Stoßdämpfung
-
Widerstand gegen Durchstich
-
Positions- und Haltbarkeitsprüfung
Ziel ist es, zuverlässige und ergonomische Knieschützer für Arbeiten mit häufiger kniender Tätigkeit bereitzustellen.
EN ISO 14116 – Schutzkleidung mit begrenzter Flammenausbreitung
Diese internationale Norm legt Leistungsanforderungen für Materialien und Kleidungsstücke fest, die bei kurzzeitiger Einwirkung kleiner Flammen Schutz bieten sollen.
Sie kommt überall dort zum Einsatz, wo gelegentliches, kurzfristiges Flammenkontakt-Risiko besteht – beispielsweise in Wartungs-, Industrie- oder Notfallbereichen.
Prüfausrüstung und Testverfahren
Für die Bewertung wird ein genormtes Prüfgerät eingesetzt.
Ein kleiner Prüfflamme wird 10 Sekunden lang auf ein Textilmuster gerichtet und anschließend entfernt.
Danach werden folgende Eigenschaften untersucht:
-
Weiterbrennen
-
Nachglimmen
-
Lochbildung
-
Auftreten von glühenden Partikeln
Schutzindizes gegen Flammenausbreitung
INDEX 1 – Basisschutz
-
Keine Weiterverbreitung der Flamme
-
Keine brennenden Partikel
-
Kein Nachglimmen
-
Lochbildung ist zulässig
INDEX 2 – Erhöhter Schutz
-
Keine Flammenweiterleitung
-
Keine glühenden Partikel
-
Kein Nachglimmen
-
Keine Lochbildung
INDEX 3 – Höchste Schutzstufe
-
Keine Weiterverbreitung der Flamme
-
Keine Partikelbildung
-
Kein Nachglimmen
-
Keine Löcher
-
Nachbrennzeit < 2 Sekunden für jede geprüfte Probe
Kleidung, die diese Norm erfüllt (z. B. Modelle wie Portwest FR41), bietet einen zuverlässigen Schutz gegen Flammengefahr und ist zudem häufig wetterfest konzipiert.
EN 136 – Vollmasken für Atemschutzgeräte
Die Norm EN 136 legt die Anforderungen für Vollmasken fest, die als Gesichtsteil in Atemschutzsystemen eingesetzt werden.
Geprüft werden unter anderem:
-
Mechanische Festigkeit
-
Dichtheit
-
Atemwiderstand
-
Temperatur- und Alterungsbeständigkeit
-
Sichtfeld
Vollmasken nach EN 136 dienen häufig als Bestandteil von:
-
Filteratemschutzgeräten
-
Gebläseunterstützten Systemen
-
Druckluft-Atemschutzlösungen
Sie werden in Industrieumgebungen, Feuerwehren, chemischer Produktion und in jeder Situation eingesetzt, in der die Atemwege maximal geschützt werden müssen.
Klassifizierung von Vollmasken nach EN 136
Vollmasken werden gemäß EN 136 in drei Klassen eingeteilt.
Alle drei Klassen bieten das gleiche Schutzniveau hinsichtlich der Filterleistung – die Unterschiede liegen in der jeweiligen Einsatzumgebung und mechanischen Robustheit.
Klasse 1 – Vollmasken für leichte Einsatzbedingungen
Für gelegentliche oder weniger anspruchsvolle Anwendungen, bei denen ein geringeres Maß an mechanischer Beanspruchung zu erwarten ist.
Klasse 2 – Vollmasken für den allgemeinen industriellen Einsatz
Diese Modelle eignen sich für die meisten beruflichen Tätigkeiten und stellen die am häufigsten verwendete Maskenkategorie dar.
Klasse 3 – Vollmasken für spezielle und besonders anspruchsvolle Arbeitsbedingungen
Für extreme Umgebungen, in denen hohe mechanische und thermische Belastung auftreten kann.
Hinweis: Vollmasken dieser Klasse müssen strengere Prüfanforderungen erfüllen.
Zentrale Prüfungen gemäß EN 136
1. Flammenbeständigkeitsprüfung
Die Maske wird auf einen Prüfkopf gesetzt und für kurze Zeit einer direkten Flammeneinwirkung ausgesetzt.
Die Bedingung für das Bestehen lautet:
-
Die Maske darf nicht länger als 5 Sekunden weiterbrennen, nachdem die Flamme entfernt wurde.
Diese Prüfung gilt für alle Klassen, allerdings unterliegen Klasse-3-Masken strengeren Anforderungen, da sie für extreme Einsatzgebiete vorgesehen sind.
2. Dichtigkeitsprüfung (Inward Leakage Test)
Dieser Test wird in einer speziellen Prüfumgebung durchgeführt und umfasst einen Paneltest mit zehn Personen.
Während die Testpersonen definierte Bewegungsabläufe absolvieren, wird die Konzentration von Natriumchlorid in der Einatemluft gemessen.
Kriterium für das Bestehen:
-
Die mittlere Konzentration des eingeatmeten Natriumchlorids darf 0,05 % nicht überschreiten.
Damit wird sichergestellt, dass die Maske zuverlässig abdichtet – unabhängig von Gesichtsform, Bewegung oder Belastung.
3. Zugfestigkeit der Kopfhaltebänder
Die Haltebänder müssen in der Lage sein, ohne bleibende Verformung die folgende Zugkraft standzuhalten:
-
Klasse 1: 100 N
-
Klasse 2 & 3: 150 N
Die Kraft wird 10 Sekunden lang aufgebracht.
Der Test ist bestanden, wenn sich die Bänder nicht mehr als 5 % gegenüber der ursprünglichen Länge dehnen.
( Beispiel: 10 cm Ausgangslänge → maximal 10,5 cm nach dem Test )
IEC 61482-2 – Schutzkleidung gegen Störlichtbogen (Arc Flash)
Diese Norm legt fest, wie Schutzkleidung bewertet wird, die vor den thermischen Auswirkungen eines elektrischen Störlichtbogens schützen soll.
Die Bewertung kann auf zwei unterschiedlichen Prüfmethoden basieren, die verschiedene reale Szenarien simulieren.
1. IEC 61482-1-1 – Open-Arc-Test (offener Lichtbogen)
Bei diesem Verfahren wird der Stoff oder das Kleidungsstück einem freien, unkonfinierten Störlichtbogen ausgesetzt.
Das Ergebnis ist:
-
ATPV (Arc Thermal Performance Value) oder
-
EBT (Energy Breakopen Threshold)
Diese Werte geben an, wie viel Energie der Stoff absorbieren kann, bevor Verbrennungen zweiten Grades oder Materialversagen auftreten.
2. IEC 61482-1-2 – Box-Test (geführter Störlichtbogen)
Hier wird die Bekleidung in einer definierten Testbox einem gerichteten elektrischen Lichtbogen ausgesetzt.
Zwei Prüfklassen existieren:
-
Klasse 1: Prüfstrom 4 kA
-
Klasse 2: Prüfstrom 7 kA
Dieser Test simuliert eine realistische Situation in Schaltanlagen, Verteilerschränken und industriellen Installationen, wo der Lichtbogen in eine bestimmte Richtung austritt.
IEC 61482-1-1 – Open-Arc-Test (offener Lichtbogen)
Das Ziel dieses Prüfverfahrens ist die Bestimmung zweier zentraler Kennwerte:
-
ELIM – Incident Energy Limit
-
ATPV – Arc Thermal Performance Value
Beide Werte werden in cal/cm² angegeben und beschreiben die maximale Energie eines Störlichtbogens, der auf ein Material oder Kleidungsstück einwirken kann, ohne dass beim Träger Verbrennungen zweiten Grades auftreten oder das Gewebe aufreißt.
Grundsatz:
Je höher der ermittelte Kalorienwert, desto größer die Schutzwirkung der Kleidung gegenüber thermischen Auswirkungen eines Lichtbogens.
Diese Methode simuliert reale elektrische Störlichtbögen in offener Umgebung und wird häufig in Hochspannungs- und Industrieanwendungen eingesetzt.
IEC 61482-1-2 – Box-Test (gerichteter Lichtbogen)
Der Box-Test bewertet die Schutzwirkung von Materialien und Kleidung gegenüber einem gerichteten Störlichtbogen.
Er führt zu einer Klassifizierung gemäß:
-
APC 1 (Arc Protection Class 1)
-
APC 2 (Arc Protection Class 2)
Die Prüfbedingungen simulieren Kurzschlussströme von:
-
4 kA für APC 1
-
7 kA für APC 2
Einlagige Kleidungsstücke erreichen in der Regel APC 1, während für APC 2 meist mehrlagige Systeme oder dickere Materialien notwendig sind.
Was ist ein Störlichtbogen (Arc Flash)?
Ein Störlichtbogen entsteht durch einen elektrischen Kurzschluss und führt zu:
-
extrem hohen Temperaturen
-
intensiver Licht- und Druckentwicklung
-
flüssigen Metallspritzern
-
potenziell lebensgefährlichen Hautverbrennungen
Die Schutzkleidung kann schichtweise kombiniert werden, um höhere Kalorienwerte zu erzielen.
Beispiel:
-
Eine thermische Unterlage: 4,3 cal/cm² (EBT)
-
Ein äußerer Overall: 13,6 cal/cm² (ATPV)
Kombiniert ergibt sich ein höherer Schutzwert als die Summe beider Einzelwerte, da der Luftraum zwischen den Schichten zusätzliche Isolation bietet.
EN ISO 20347 – Berufsschuhe ohne Zehenschutzkappe
Die internationale Norm EN ISO 20347 definiert grundlegende und optionale Anforderungen an Berufsschuhe, bei denen kein mechanischer Zehenschutz (wie Stahl- oder Kunststoffkappe) erforderlich ist.
Solche Schuhe werden im Gesundheitswesen, in der Gastronomie, in Laboren, der Logistik oder im Dienstleistungssektor eingesetzt.
Grundanforderungen (OB)
Zu den Basiseigenschaften zählen:
-
rutschhemmende Sohle
-
antistatische Eigenschaften
-
Energieaufnahme im Fersenbereich
-
Mindestanforderungen an Abrieb- und Schnittfestigkeit des Obermaterials
Optionale Zusatzanforderungen (O1 – O5)
Je nach Arbeitsumfeld können folgende Eigenschaften hinzukommen:
-
O1: geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme der Ferse
-
O2: wie O1, zusätzlich begrenzte Wasseraufnahme/Wasserpenetration
-
O3: wie O2, plus durchtritthemmende Zwischensohle und profilierte Laufsohle
-
O4/O5: polymerbasierte oder gummibasierte Schuhe mit speziellen Dichtheits- und Durchtrittschutzanforderungen
Berufsschuhe nach EN ISO 20347 bieten somit einen praxisorientierten Schutz für Arbeitsplätze, an denen keine Zehenschutzkappe, aber ausreichende Rutschfestigkeit, Komfort und Stabilität erforderlich sind.
Klassifizierung beruflicher Fußschutz – EN ISO 20347
Die Norm unterscheidet zwei große Kategorien von Berufsschuhen:
-
Vollständig aus Gummi oder Polymerwerkstoffen gefertigte Schuhe
Beide Gruppen folgen eigenen Klassifizierungsstufen.
1. Klassifizierung für Schuhe aus Leder oder ähnlichen Materialien
OB
Erfüllt die grundlegenden Mindestanforderungen an Berufsschuhe.
O1
Alle Merkmale der Basisklasse plus:
-
ölbeständige Laufsohle
-
geschlossener Fersenbereich
-
Energieaufnahme im Fersenbereich
-
antistatische Eigenschaften
O2
Wie O1, zusätzlich:
-
wasserabweisende Eigenschaften
-
eingeschränkte Wasserpenetration
O3
Wie O2, ergänzt durch:
-
durchtritthemmende Zwischensohle
-
profilierte, griffige Laufsohle
2. Klassifizierung für Schuhe aus Gummi oder Polymermaterialien
OB
Entspricht den Mindestanforderungen für Berufsschuhe ohne zusätzliche Funktionen.
O4
Wie OB, jedoch erweitert um:
-
rutsch- und ölbeständige Sohle
-
Energieaufnahme im Fersenbereich
-
antistatische Eigenschaften
-
geschlossener Fersenbereich
O5
Wie O4, zusätzlich mit:
-
Durchtrittschutz
-
profilierter Laufsohle
Einsatzbereiche von Berufsschuhen (ohne Zehenschutzkappe)
Berufsschuhe nach EN ISO 20347 verfügen nicht über eine Stahl- oder Kunststoffzehenschutzkappe, sind jedoch so konstruiert, dass sie hohen Komfort, gute Rutschfestigkeit und lange Haltbarkeit bieten.
Sie eignen sich besonders für Arbeitsplätze, an denen:
-
kein Risiko durch herabfallende Gegenstände besteht,
-
jedoch Gefahren wie Ausrutschen, langes Stehen oder muskuläre Ermüdung auftreten können.
Typische Einsatzbereiche
-
Büro- und Verwaltungsbereiche
-
Dienstleistungssektoren
-
Verkaufs- und Ausstellungsräume
-
Gastronomie und Catering
EN 14605 – Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien
Diese Norm beschreibt die Anforderungen an Schutzkleidung, die gegen flüssige Chemikalien ausgelegt ist – inklusive:
-
Typ 3: flüssigkeitsdichte Schutzanzüge
-
Typ 4: sprühdichte Schutzanzüge
-
PB [3] / PB [4]: partielle Schutzkleidung, die nur bestimmte Körperbereiche abdeckt
Typ 3 – Flüssigkeitsdichte Schutzanzüge
Bei dieser Prüfart wird die gesamte Schutzkleidung einem gezielten Hochdruck-Flüssigkeitsstrahl ausgesetzt.
Der Testaufbau umfasst:
-
die Platzierung des Schutzanzuges auf einer rotierenden Prüfeinrichtung,
-
das Versprühen eines wasserbasierten Mediums, das mit fluoreszierenden oder farbigen Indikatoren versetzt ist,
-
die Ausrichtung des Flüssigkeitsstrahls auf mehrere kritische Zonen (Reißverschlüsse, Nähte, Übergänge).
Ziel:
Nach dem Test darf kein Markerstoff in die Kleidung eindringen. Die Norm verlangt, dass der Anzug vollständige Barrierewirkung gegenüber gerichteten Flüssigkeitsstrahlen bietet.
Typ 4 – Sprühdichte Schutzkleidung (Spray Tight Suits)
(EN 14605 – Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien)
Sprühdichte Schutzanzüge der Typklasse 4 sind dafür ausgelegt, den Träger vor vernebelten, zerstäubten oder unter Druck austretenden flüssigen Chemikalien zu schützen.
Während der Prüfung wird der gesamte Anzug auf einer rotierenden Plattform befestigt und mit einem intensiven, fluoreszierend markierten Flüssigkeitsnebel besprüht. Die Flüssigkeit wird bewusst auf besonders empfindliche Bereiche gerichtet, wie:
-
Reißverschlüsse
-
Nähte
-
Verbindungspunkte zwischen Jacke und Hose
-
Kapuzen- oder Kragenabschlüsse
Kriterien für das Bestehen der Typ-4-Prüfung
Ein Schutzanzug gilt als bestanden, wenn:
-
die Menge der eingedrungenen Flüssigkeit nicht mehr als das Dreifache der Referenzmenge im Bereich des Kalibrierungspunktes überschreitet,
-
alle drei in der Prüfung eingesetzten Anzüge die Anforderung erfüllen.
Der Test soll sicherstellen, dass die Schutzkleidung nicht nur punktuell, sondern vollständig und reproduzierbar gegen Chemikaliensprühnebel abschirmt.
EN 175 – Augen- und Gesichtsschutz für das Schweißen
Die europäische Norm EN 175 definiert die Anforderungen an Schutzgeräte für Augen und Gesicht, die bei Schweißprozessen und verwandten Anwendungen eingesetzt werden.
Sie legt fest, welche Gefährdungen abgewehrt werden müssen und wie die Geräte konstruiert sein sollen, um einen umfassenden und ergonomischen Schutz zu gewährleisten.
Relevante Gefahren, gegen die EN-175-Schutzausrüstung schützt
-
Strahlungseinwirkung
(UV-, IR- und sichtbare Strahlung, die bei Lichtbogenprozessen entsteht) -
Thermische Einwirkung / Funkenflug
-
Mechanische Partikel
-
Entflammungs- und Explosionsrisiken
-
Elektrische Gefährdungen, die bei bestimmten Schweißverfahren auftreten können
Gerätearten gemäß EN 175
Die Norm umfasst verschiedene Formen des Gesichtsschutzes:
-
Schutzbrillen
-
Schweißschutzbrillen / Goggles
-
Visiere
-
Handgehaltene Schweißschilde
-
Kopfmontierte Schweißerschilde
Diese Geräte werden in Verbindung mit entsprechenden Filtern nach EN 169 oder EN 379 verwendet, um die für die Tätigkeit passende Schutzstufe zu gewährleisten.
Ergonomische Anforderungen
EN 175 berücksichtigt ebenfalls:
-
Komfort beim langen Tragen
-
gute Gewichtsverteilung
-
ausreichendes Sichtfeld
-
Kompatibilität mit anderer PSA (Helme, Atemschutz etc.)
Damit stellt die Norm sicher, dass die Ausrüstung nicht nur schützt, sondern auch praktisch einsetzbar und benutzerfreundlich bleibt.
EN 175 – Anforderungen an den Augen- und Gesichtsschutz beim Schweißen
Die Norm EN 175 definiert detaillierte Anforderungen an die Gestaltung, Schutzleistung und Kennzeichnung von Augen- und Gesichtsschutzgeräten, die bei Schweißarbeiten und verwandten Verfahren eingesetzt werden. Ziel ist es, eine ausreichende Sicherheit gegenüber optischen, thermischen, mechanischen und elektrischen Risiken sicherzustellen.
1. Konstruktive Grundprinzipien
Die Norm schreibt verbindlich vor, welches Mindestsichtfeld erforderlich ist, damit Anwender sicher arbeiten und ihre Umgebung während des Schweißprozesses ausreichend wahrnehmen können.
Das erforderliche Sichtfeld variiert je nach Gerätetyp:
-
Schutzbrillen
-
Schweißschutzbrillen / Goggles
-
Gesichtsschilde / Helmsysteme
Weiterhin wird gefordert, dass Innenflächen lichtundurchlässig konstruiert sind, sodass es zu keiner störenden Reflexion oder Blendung kommt, die die Sicht des Schweißers beeinträchtigen könnte.
2. Stoßfestigkeit (mechanische Anforderungen)
EN 175 unterscheidet zwei Leistungsstufen hinsichtlich der Schlagenergie:
• Niedrige Aufprallenergie – „F“
-
Prüfgeschwindigkeit: 45 m/s
-
Anforderung gilt für Schweißerschutzbrillen und Schutzbrillen
• Mittlere Aufprallenergie – „B“
-
Prüfgeschwindigkeit: 120 m/s
-
Gilt für robustere Ausführungen wie Schutzvisiere und komplette Gesichtsschilde
Die Kennzeichnung „F“ oder „B“ muss deutlich sichtbar am Produkt angebracht sein.
3. Schutz gegen geschmolzenes Metall und heiße Partikel
Schweißprozesse erzeugen Funkenflug, Metalltröpfchen und glühende Materialien.
Die Norm erlaubt einen optionalen Test, der den Schutz vor solchen Gefährdungen bewertet. Wird dieser bestanden, erhält das Produkt die Kennzeichnung:
-
„9“ = Schutz gegen geschmolzenes Metall und heiße Feststoffe
Für einfache Schutzbrillen ist diese Prüfung nicht zwingend, bei Visiersystemen hingegen üblich.
4. Zusammenfassung der Schutzfunktionen der EN 175
Die Norm adressiert sämtliche relevanten Risiken, die beim Schweißen auftreten:
-
optische Strahlung (UV-, IR- und sichtbare Strahlung)
-
thermische Einwirkung und Funken
-
mechanische Aufprallenergie
-
Kontakt mit geschmolzenem Metall
-
elektrische Gefährdungen
-
ergonomische Anforderungen für längere Einsatzzeiten
Durch diese umfassenden Kriterien stellt EN 175 sicher, dass Schweißerschutzgeräte nicht nur robust und sicher, sondern auch komfortabel und funktionsgerecht entwickelt werden.